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VhU-Verkehrsforum zur Verkehrspolitik nach der Bundestagswahl

Carsten Rahier: „Nordhessen braucht mehr und bessere Verkehrswege.“ // Dr. Torsten Rudolph: „Motorisierten Verkehr nicht verteufeln und nicht verteuern!“

14.03.2017
2345_1484_1_k.jpgKassel. Die Mobilität in Nordhessen muss weiter kontinuierlich verbessert werden. Denn sie ist ein Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort und mitentscheidend für die Wahl des Wohnortes und des Ausbildungs-, Studien- oder Arbeitsplatzes. Darin stimmten die Vertreter aus Wirtschaft und Politik beim Verkehrsforum der VhU gestern Abend überein. Rund 80 Fachleute aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft sowie Unternehmen, Verbänden, Kammern, und Gewerkschaften waren in den Kasseler Kulturbahnhof gekommen, um über das Thema „Gute Mobilität in Nordhessen – Was erwartet die Wirtschaft nach der Bundestagswahl?“ zu diskutieren.
Carsten Rahier, Vorsitzender des VhU-Beirats Nordhessen und Geschäftsführer der sera Group, Immenhausen, sagte: „Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen ist eine gute infrastrukturelle Erreichbarkeit. Das trifft sowohl für den Waren- und Dienstleistungsverkehr als auch für die vielen tausend Beschäftigten zu. Nordhessen braucht leistungsfähige Entlastungsstrecken – sowohl Autobahnen und Bundesstraßen als auch Schienenverbindungen. Die im Bau befindlichen Projekte müssen viel zügiger fertiggestellt werden, als das bisher der Fall war.“

Dr. Torsten Rudolph,
stellvertretender Vorsitzender des VhU-Verkehrsausschusses und Geschäftsführer der Baunataler Rudolph Logistik Gruppe mit europaweit 5.000 Beschäftigten, sagte: „Die A49 und A44 sind die Prioritäten für die Region. Aber auch der Straßenanschluss Nordhessens Richtung Westen bereitet mir Sorge. Die Politik muss Planungsprozesse beschleunigen. Und sie soll aufhören, den motorisierten Verkehr zu verteufeln und zu verteuern. Außerdem treibt mich der zu Unrecht schlechte Ruf der Logistikbranche um. Ich appelliere an die Politiker, sich aktiv mit der Branche zu beschäftigen, unsere Betriebe zu besuchen und sich vor Ort ein Bild von den komplexen Abläufen der Logistik zu machen.“ Dr. Rudolph nannte als Beispiel: „Kritiker sagen, es gebe zu viele Leerfahrten und wir täten nicht genug dagegen. Das ist Unfug. Wir haben einen großen betriebswirtschaftlichen Anreiz, alles zu tun, um Leerfahrten zu vermeiden. Unnötige Kosten können wir uns nicht leisten. Selbst die erfolgreichsten Unternehmen der Branche fahren Gewinne von lediglich 2 bis 3 Prozent vor Steuern ein. Leider ist die Region Nordhessen eher industrieschwach – viele Güter verlassen Nordhessen in alle Himmelsrichtungen, wenige werden hierher geliefert und industriell gefertigt.“

Lothar Salokat, Leiter des Werkes der Continental Reifen GmbH in Korbach mit etwa 3500 Beschäftigten, sagte: „Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen wird zunehmend durch die Optimierung und Flexibilität der logistischen Abläufe bestimmt. Eine ausreichende Verkehrsinfrastruktur ist deswegen für die Unternehmen in Nordhessen und im Landkreis Waldeck Frankenberg unerlässlich. Der Ausbau der B252 mit Ortsumfahrungen für Twistetal-Twiste, Twistetal-Berndorf, Vohl-Dorfitter, Burgwald-Bottendorf, Burgwald-Ernsthausen sowie zwischen Münchhausen und Cölbe im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist daher dringend erforderlich. Dies bedeutet gleichzeitig eine Verbesserung der Sicherheit und ein deutliches Plus an Lebensqualität für die Anwohner in den Gemeinden. Der Ausbau der A49 würde beispielsweise maßgeblich zur Entlastung der B252 beitragen.“

Thomas Viesehon
(CDU), Mitglied im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags sagte: „Im Bund haben wir mit dem Bundesverkehrswegeplan 2030 und seinen Ausbaugesetzen erfolgreich die Weichen eines Infrastrukturausbaus und -erhalts in nie dagewesenem Finanzvolumen beschlossen. Nun muss insbesondere für die zentralen Vorhaben, auch in Nordhessen, eine schnelle Umsetzung erfolgen“.

Timon Gremmels, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, sagte: „Der Automobil- und Logistikstandort im größtenteils ländlich geprägten Nordhessen braucht eine zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur. Das Straßen- und Schienennetz muss konsequent saniert und auf dem neusten Stand gehalten werden. Die beiden Lückenschlüsse A44 Kassel-Eisenach und A49 Neuental-Homberg (Ohm) sind notwendig, aber es muss auch eine schnelle und gut vernetzte Mitte-Deutschland-Schienenverbindung von NRW über Kassel nach Thüringen und Sachsen geben. Darüber hinaus müssen wir die Intermodialität, also eine Reisekette aus mehreren Verkehrsmitteln, stärken und noch konsequenter auf alternative Antriebsformen wie die Elektromobilität setzen. Die große Herausforderung ist, ein modernes Verkehrswegenetz mit den Ansprüchen der Bevölkerung an Schutz vor Lärm und Immissionen in Einklang zu bringen.“

Nicole Maisch, Mitglied der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Deutschen Bundestag, sagte: „Kluge Verkehrspolitik setzt auf technische Innovation insbesondere im Bereich der E-Mobilität und auf die Förderung des Umweltverbundes aus Schiene, Radverkehr und zu Fuß gehen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein und die notwendige ökologische Transformation unserer Industriegesellschaft zu bewerkstelligen“.

Dr. Stefan Ruppert,
Landesvorsitzender der FDP Hessen sagte: „Wir brauchen mehr Investitionen in unsere Verkehrsinfrastruktur, weil wir sonst nur noch im Dauerstau stehen. Auch die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Hessen nimmt deshalb ab, wie die aktuelle Industriestudie der IHK Frankfurt zeigt. Im letzten Jahr hat Hessen sogar 39 Millionen Euro an Baumitteln des Bundes für Autobahnen verfallen lassen. Das zeigt, die Landesregierung tut hier zu wenig.“
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