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Ulrich Kirsch
Dr. Ulrich Kirsch
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VhU zu der gesellschaftlichen Herausforderung Flüchtlinge

Riesenchance, wenn wir bei Integration vieles besser machen // Rasch und planungssicher in Arbeit bringen // Kontrolle zurückgewinnen

29.09.2015
Frankfurt am Main. Allein in diesem Jahr kommen in Hessen 60.000 Flüchtlinge aus Krisengebieten sowie Wirtschaftszuwanderer aus friedlichen Ländern mit schwacher Wirtschaft an, bundesweit wohl weit über 800.000. Die hessische Wirtschaft hat ein Interesse am Gelingen der erforderlichen großen Anstrengungen und ist bereit, für eine Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen in die Arbeitswelt ihren Beitrag zu leisten. Manche Unternehmen haben schon Erfahrung damit.
„Für Arbeitsmarkt und Gesellschaft ist die Integration so vieler Menschen aus fremden Kulturen, fast durchweg ohne Deutschkenntnisse und mehrheitlich ohne Berufsqualifikation eine riesige Aufgabe. Es kann eine große Chance werden, wenn wir vieles sehr viel besser machen als in der Vergangenheit. Um das zu bewältigen, brauchen wir einen Perspektivwechsel: weg von blauäugiger Willkommensromantik oder plumper ‚Das Boot ist voll‘-Rhetorik hin zu konsequenter Lösungsorientierung und moralischer De-Eskalation. Entscheidend ist, dass wir die Kontrolle über den Prozess zurückgewinnen.“ Darin waren sich Volker Fasbender, Hauptgeschäfts-führer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Dr. Ingo Koch, Vorstandsmitglied der Samson AG, Frankfurt, sowie der Bauunternehmer Klaus Stöcker heute vor der Landespressekonferenz in Wiesbaden einig. Gefragt seien kluge, pragmatische und alltagstaugliche Lösungen für alle mit einer guten Bleibeperspektive: die rasche Einbindung in Bildung und Arbeit und die Verpflichtung der Bleibeberechtigten auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, unsere religiöse Toleranz und die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Drei Herausforderungen

Der anhaltende Zustrom von Menschen fordert uns auf drei Handlungsfeldern: Zunächst eine herzliche Aufnahme und gute Erstversorgung von 60.000 Menschen allein im Jahr 2015 zu organisieren. Dann zwischen Menschen mit Asylgrund, die bleiben dürfen, und Wirtschaftszuwanderern aus wirtschaftsschwachen, aber friedlichen Ländern wie dem Westbalkan zu unterscheiden, die regelmäßig wieder gehen müssen. Und schließlich die um ein Vielfaches größere Herausforderung: die tatsächliche Integration derjenigen, die hier bleiben können in das Leben und die Arbeit. „Willkommenskultur und konsequente Aufenthaltsbeendigung schließen sich deshalb nicht aus, sondern bedingen einander vielmehr“, so Fasbender.

Einstiegsqualifizierung und Patenschafts-Programm

„Geschäftsleitung und Betriebsrat der Samson AG haben sich entschlossen, rund 30 jugendlichen Flüchtlingen eine Einstiegsqualifizierung zur Berufsorientierung und Ausbildungsvorbereitung zu ermöglichen und sie auf diese Weise in unser Unternehmen, aber auch generell in ihrem neuen Zuhause, zu integrieren“, so Vorstandsmitglied Koch. Aus diesen Praktika könne auch eine spätere Übernahme in ein Berufsausbildungsverhältnis erfolgen. Dies werde begleitet durch ein Patenschafts-Programm, bei dem sich für jeden dieser Praktikanten „ein SAMSONer“ als Pate zu Verfügung stellt und den Einstieg bei SAMSON erleichtert.

Halbjährige Vorbereitungskurse

„Planungssicherheit ist das Entscheidende für Unternehmer, gerade auch für Bauunternehmer, wenn sie Flüchtlingen eine Chance geben. Seit 2013 haben wir in der überbetrieblichen Lehrbaustelle Bebra etwa 40 Flüchtlinge in Vorbereitungslehrgängen betreut. Dabei entstanden 17 reguläre Ausbildungsverhältnisse im Baubereich, 8 Personen wurden in Helfertätigkeiten vermittelt“, berichtete Stöcker, der auch Bezirksstellenleiter des Verbands baugewerblicher Unternehmen Hessen ist. Im Rahmen des Programms „Flüchtlinge und Asylbewerber im Bauhandwerk“ setzt er sich schon seit geraumer Weile dafür ein, dort junge Flüchtlinge im Alter von 18 bis 38 Jahren über Vorbereitungskurse und Praktika in eine Ausbildung im Baugewerbe zu bringen, damit sie ausgebildet und später in Arbeit übernommen werden können.

Guten Fachkräften Wechsel in die Erwerbsmigration erleichtern

Die Wirtschaft wirbt schon lange für eine gesteuerte Zuwanderung von Menschen mit Qualifikationen, die wir hier am Arbeitsmarkt brauchen, und zwar mit fortschreitender demografischer Entwicklung immer mehr. In der aktuellen, ungesteuerten Wanderungsbewegung befinden sich neben vielen Kriegsflüchtlingen auch viele Wirtschaftszuwanderer auf der Suche nach Arbeit. Deren Asylgesuch muss abgelehnt werden. „Wenn sie jedoch eine gesuchte Qualifikation haben, macht es keinen Sinn, sie wieder nach Hause zu schicken. Deshalb sollten Zugewanderte mit guter Ausbildung gerade für Mangelberufe die Chance erhalten, parallel zu ihrem Asylverfahren eine Arbeitserlaubnis zu beantragen“, so Fasbender.

Regulierungsstopp für Arbeitsmarkt: Befristete Ausnahmen vom Mindestlohn
Demnächst werden viele Tausend der neu in Hessen Angekommenen nach Arbeit suchen. Für den erheblichen Anteil Geringqualifizierter unter den Zuwanderern müssen unsere Unterstützungsmaßnahmen viel erfolgreicher werden, als dies bisher der Fall ist. Denn schon heute und seit vielen Jahrzehnten haben es Geringqualifi-zierte und Langzeitarbeitslose sehr schwer, in Arbeit zu kommen oder zu bleiben. Damit dies entscheidend besser wird, fordert die VhU müssen vom Gesetzgeber aufgestellte Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Keinesfalls dürfen neue hinzukommen. Weitere Regulierungen etwa bei Zeitarbeit oder Werkverträgen verbieten sich in dieser Situation. Die Ausnahmen vom überhöhten gesetzlichen Mindestlohn müssen erweitert werden, etwa bei Langzeitarbeitslosen von 6 auf 12 Monate. Eine neue Ausnahme sollte für Geringqualifizierte ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen unabhängig vom Flüchtlingsstatus eingeführt werden.

Mehr Information:

Das vollständige VhU-Positionspapier „Arbeit und Ausbildung für Asylsuchende erleichtern – aber auch Rückkehr von abgelehnten Antragstellern in die Heimatländer durchsetzen“ sowie das Infoblatt über einschlägige Projekte unserer Gruppe Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft:

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