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VhU zur Altersvorsorge in Hessen – Rentenpolitisches Grundsatzpapier

Mang: „Rente stabilisieren mit längerer Lebensarbeitszeit!“ // Walter: „Private und betriebliche Altersvorsorge stärken!“ // Deutschland-Rente wichtiger Impuls.

18.05.2017
Wiesbaden // Frankfurt am Main. Seit einigen Jahren läuft in der Rentenpolitik etwas fundamental schief. Die „Schwarzmaler einer flächendeckenden Altersarmut“ schauen allein auf die gesetzliche Rente und blenden kapitalgedeckte Vorsorge und Wohneigentum systematisch aus. Und machen dann Vorschläge, die katastrophale Folgen für die Arbeitsplätze in Deutschland hätte und die beitragszahlende jüngere Generation kneble. „Das Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente, privater und betrieblicher Altersvorsorge ist und bleibt der richtige Weg zu einer zuverlässigen und soliden Altersvorsorge. Deshalb müssen alle drei Säulen gestärkt werden.“

Das machten Wolf Matthias Mang, Geschäftsführer von Arno Arnold und Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Roland Walter, Geschäftsführer der Walter Verpackungen und Vorsitzender des VhU-Fachbeirats Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, Jörg Kreutzer, Geschäftsleiter der InfraServ Wiesbaden sowie Gerd Sagawe, Mitglied der Geschäftsführung bei EnviroChemie heute in Wiesbaden deutlich.


„Erfreulicherweise steigt die Lebenserwartung und die Zahl der Älteren wächst. Aber: Wer länger lebt und gesünder alt wird, der muss auch länger zur Finanzierung seiner Rente bei­tragen und kann dies nicht nachfolgenden Generationen überlassen“, sagte VhU-Präsident Wolf Matthias Mang. „Unser Vorschlag ist deshalb, alle drei Säulen der Altersvorsorge zu stärken. Dazu muss die stufenweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre konse­quent durchgesetzt werden. Mit der abschlagfreien Rente mit 65 Jahren und früher muss Schluss gemacht werden.“ Die betriebliche Altersvorsorge müsse der Gesetzgeber gerade für kleine Unterneh­men attraktiver machen, indem er die Möglichkeit einer reinen Beitrags­zusage auch ohne Bezugnahme auf einen Tarifvertrag einführe. Der überhöhte steuerliche Rechnungszins von 6 % für Betriebsrenten-Rückstellungen müsse dringend an die Zinswirk­lichkeit angepasst werden, damit die Unternehmen nicht auf Scheingewinne Steuern zahlen müssten. „Schließlich muss auch die private Altersvorsorge gestärkt werden. Schon heute erreichen die Zulagen für die Riester-Rente erfreulicherweise viele Geringverdiener. Es müs­sen noch viel mehr werden. Deshalb sollte die seit 15 Jahren unveränderte Grundzulage nicht lediglich um zehn Euro, sondern entsprechend der Preisentwicklung auf 200 € angeho­ben werden“.


Roland Walter, Mitglied des Präsidiums der VhU, erklärte: „Die kapitalgedeckte Altersvor­sorge ist die ideale Ergänzung der umlagefinanzierten gesetzli­chen Rente, weil so jede Generation für sich selbst vorsorgt und die Lasten nicht in die Zukunft verschiebt. Erfreuli­cherweise haben heute bereits über 70 Prozent aller Beschäftigten eine betriebliche oder private Altersvorsorge. Hinzu kommen 53 Mio. private Lebens- und Rentenversicherungs­verträge sowie Wohneigentum. Es ist deshalb ein Kardinalfehler, wenn die Gegner der kapitalgedeckten Altersvorsorge Angst vor Altersarmut schüren, indem sie allein auf die gesetzliche Rente blicken. Statt Verunsicherung der Bürger brauchen wir mehr freiwillige kapitalgedeckte Altersvorsorge im Betrieb und auch privat. Die hessische Wirtschaft hat größtes Interesse an einem stabilen und zukunftsfähigen Altersvorsorgesystem“.


„Sehr verdienstvoll ist der Vorschlag der hessischen Minister Thomas Schäfer, Stefan Grüttner und Tarek Al-Wazir für eine ‘Deutschland-Rente‘, mit der mehr Arbeitnehmer zum Sparen mit einem Riester-Produkt motiviert werden sollen. Dies rückt die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer stärkeren Privaten Altersvorsorge in den Blickpunkt. Die Bürger müssen wissen, dass sie sich nicht allein auf den Staat verlassen können. Sie müssen auch selbst für die Altersvorsorge aktiv werden. Hinter der Ausgestaltung des Vorschlags müssen wir allerdings noch ein paar Fragezeichen machen. Und deutlich ablehnen müssen wir die vor­geschlagene Durchführung der Deutschlandrente durch den Arbeitgeber. Dies wäre eine weitere massive Bürokratie- und Risiko-Zusatzbelastung, die mit erheblichen Kosten und Haftungsrisiken verbunden wäre und für den Arbeitnehmer auch keinen Vorteil darstellt. So würde die Private Altersvorsorge zu einer Quasi-Betriebsrente. Immer neue Bürokratie für Arbeitgeber lehnen wir ab“, sagte Walter.


Gerd Sagawe warb mit mehreren Beispielen aus der Praxis der EnviroChemie für mehr Flexibilität bei der Altersteilzeit. „Wir rechnen bei unseren jungen Beschäftigten mit einer dreijährigen Einarbeitungszeit. Für Expertenwissen werden in der Regel 10 bis 15 Jahre benötigt. Das Lernen gehört in unserem technischen und internationalen Umfeld zum Berufs­alltag. Daher ist das Wissen der langjährig Beschäftigten so wertvoll für uns und wir möchten von deren Wissen so lange partizipieren, wie sie es möchten“, so Sagawe. Oft sei EnviroChemie bei neuen Aufträgen nicht marktlimitiert sondern limitiert, weil fähige Fachkräfte fehl­ten. Die flexible Weitergabe von Expertenwissen durch Senioren an jüngere Mitarbeiter sei zwar kein Allheilmittel dafür, aber ein wichtiger Baustein zu mehr Beschäfti­gung und Nach­wuchsentwicklung.


Vom eigenen Gesundheitsstudio der InfraServ Wiesbaden im Industriepark Kalle-Albert berichtete Jörg Kreutzer: „Viele Mitarbeiter schätzen mittlerweile die Möglichkeit, im Indu­striepark etwas für ihre körperliche Fitness zu tun. Durch die Nähe des Gesundheits­studios zum Arbeitsplatz können Mitarbeiter ohne Wartezeiten und sehr flexibel in ihren Arbeitstag integriert – neben klassischen Fitnessübungen – auch Rehabilitationsmaßnahmen durch­führen. In vielen Fällen konnten so bereits längere Ausfallzeiten vermieden werden.“ Das Fit­nessstudio sowie andere regelmäßige medizinische Sonderaktionen erfreuten sich einer sehr hohen Beliebtheit, so Kreutzer weiter. Außerdem seien die laufenden Kosten durch den im Chemietarif verankerten Demografiebeitrag soweit gedeckt, dass für Tarifmit­arbeiter die Nutzung des Gesundheitsstudios kostenfrei erfolgen könne. Das oberste Prinzip des Ange­bots liege selbstverständlich in der Freiwilligkeit aller Maßnahmen.

Altersvorsorge anschaulich erklärt - Das Video des iwd



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