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Stefan Hoehl
Dr. Stefan Hoehl
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
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Zur Meldung Arbeitsmarkt Dezember:

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Rente mit 67 nicht länger mit abschlagsfreien Frührenten torpedieren

Gastkommentar von VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert


Wir genießen hierzulande einen der höchsten sozialen Standards weltweit: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Pflegebedürftigkeit, Unfall und Alter sind abgesichert und werden ganz überwiegend aus Sozialversicherungsbeiträgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert und durch steuerfinanzierte Grundsicherungssysteme ergänzt. Diese Standards werden wir nur dann halten können, wenn die Politik die Rahmenbedingungen für möglichst viele Arbeitsplätze schafft. Denn diese sind Basis für Steuer- und Beitragseinnahmen.

Zwar befindet sich der Arbeitsmarkt aktuell auf einem erfreulichen Höhenflug. Die Arbeitslosigkeit in Hessen war über das gesamte Jahr 2016 so niedrig wie seit 24 Jahren nicht mehr und auch die Zahl der Erwerbstätigen mit 3,36 Millionen und der sozialversicherten Arbeitnehmer mit 2,5 Millionen sind von Rekord zu Rekord gestiegen. Jedoch haben hierzu auch Sonderfaktoren wie der schwache Euro, der niedrige Ölpreis und die Niedrigst-Zinsen beigetragen, die sich jederzeit wieder verschlechtern können.

Steigende Beitragssätze in der Sozialversicherung sind Gift für die Beschäftigung, weil sie Arbeit verteuern. Ein zusätzlicher Beitragssatzpunkt vernichtet deutschlandweit 100.000 Arbeitsplätze. Deshalb muss dem von derzeit 18,7 auf knapp 23 % in 2030 steigenden Beitragssatz in der Rentenversicherung durch ein tatsächliches höheres Rentenalter – erst ab 2029 werden 67 Jahre erreicht – entgegengewirkt werden. Die Rentenpolitik muss zu diesem Stufenplan der Rente mit 67 endlich konsequent stehen.

Die allermeisten sind sowohl körperlich als auch mental fit für die Arbeit bis 67. Umfragen haben ergeben, dass niemand so zufrieden und motiviert bei der Arbeit ist wie die älteren Arbeitnehmer. Die Menschen in Deutschland bleiben auch immer länger gesund. Nach einer Umfrage des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2014 beurteilt nur rund jeder achte über 65 seinen Gesundheitszustand als schlecht oder sehr schlecht. 2005 war dies noch fast jeder fünfte. Selbst wer aus gesundheitlichen Gründen in seinem Beruf nicht mehr arbeiten kann, muss nicht pauschal abschlagsfrei in Rente geschickt werden. Schon aus Gründen der Generationengerechtigkeit sollte er flexible Übergänge in einen anderen Beruf, eine Rententeilzeit oder notfalls die Erwerbsminderungsrente prüfen. Weiter vorankommen müssen wir bei den Rehabilitationsmaßnahmen. Die Unterstützung durch Krankenkassen, Rentenversicherung und Arbeitsagentur muss noch besser werden, damit die Gesundheit der Arbeitnehmer im Krankheitsfall so schnell wie möglich wieder hergestellt und dauerhaft erhalten werden kann.

Die hessischen Unternehmen schätzen die Fachkenntnisse und Erfahrungen älterer Arbeitnehmer und nutzen diese gerne. Viele Betriebe haben deshalb bereits auf die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter reagiert, indem sie beispielsweise mit ergonomischen Schichtplänen Arbeitsplätze und Arbeitszeiten altersgerecht angepasst und ein betriebliches Gesundheitsmanagement in den Betrieben eingeführt haben. Ältere zählen daher auch zu den Gewinnern am hessischen Arbeitsmarkt: Allein in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der sozialversichert Beschäftigten von 55 Jahren bis zum regulären Rentenalter in Hessen um mehr als ein Drittel von rund 300.000 auf knapp 410.000 gestiegen. Inzwischen ist fast jeder Zweite im Alter von 55 Jahren bis zum regulären Rentenalter sozialversichert beschäftigt. Es wären sogar noch höhere Beschäftigungszahlen möglich. Jedoch hat die abschlagsfreie Rente mit 63 zahlreiche Ältere vorzeitig aus dem Erwerbsleben geführt - deutschlandweit allein in den Jahren 2014 und 2015 schon über 420.000 Arbeitnehmer. Sie ist ein unverantwortliches Rentengeschenk zulasten der Fachkräftebasis und auf Kosten der Aktiven bzw zukünftiger Generationen. Sie muss – ebenso wie die zukünftige abschlagsfreie Rente mit 65 für besonders langjährig Versicherte – umgehend beendet werden. Die für eine stabile Rentenversicherung unverzichtbare stufenweise Anhebung des Rentenalters auf 67 darf nicht länger durch abschlagsfreie Frührenten torpediert werden. (z.T. Gastkommentar von VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert für die Fuldarer Zeitung).